
Die Flexibilisierung von Schichtsystemen ist eine individuelle Angelegenheit. Den Erfordernissen des Unternehmens und der jeweiligen Problemlage entsprechend muss ein unternehmensspezifisches Modell gefunden werden. Folgende Unternehmensbeispiele zeigen, wie sehr die jeweilige Ausgangssituation die Lösung beeinflusst.
Ausgangssituation:
Bei einem Fensterhersteller kam es produktbedingt zu hohen jährlichen
Auftragsschwankungen. Die Arbeitszeit war durch eine gleichbleibende Schichtbesetzung
nicht optimal im Schichtsystem verteilt: In der zweiten Jahreshälfte
gab es saisonbedingt einen enorm großen Auftragseingang. Um die Produktion
und die Liefertermine einhalten zu können, mussten Überstunden
geleistet und Leiharbeitnehmer eingesetzt werden. In der ersten Jahreshälfte
indes ging die Nachfrage jeweils zurück, was Auftragseinbrüche
zur Folge hatte. Die Mitarbeiter wurden nicht alle auf Schicht benötigt,
und es kam zu Überbesetzungen, wodurch das Unternehmen Arbeitszeit
vergeudete. Das bestehende Schichtsystem bildete die benötigten Unternehmensbedürfnisse
nicht optimal ab.
Lösung:
Das Projektteam erarbeitete ein flexibles Vier-Schichtgruppenmodell mit
13 Untergruppen und bedarfsgerecht saisonal angepasster Besetzungsstärke.
Die Mitarbeiterstärke lag verteilt auf verschiedene Monate zwischen
acht und zwölf Mitarbeitern pro Schichtgruppe.
Erfolg:
Die Mitarbeiter waren durch das neue Schichtsystem in der Lage, die jährlichen
Auftragsschwankungen ohne Mehrarbeit und der Unterstützung von Leiharbeitnehmern
abzudecken. Die gesundheitliche Belastung der Mitarbeiter nahm ab, ihre
planbare Freizeit nahm zu. Kosten für Mehrarbeit und Leiharbeitnehmer
wurden eingespart. Bereits in den ersten Monaten konnte eine Erhöhung
der Produktivität verzeichnet werden.
Ausgangssituation:
In einem papiererzeugenden Unternehmen wurde an sieben Tagen mit drei Schichten
das ganze Jahr über produziert, da die kapitalintensiven Anlagen eine
hohe Auslastung der Maschinenlaufzeiten erfordern. Durch Krankheit und Urlaub
der Mitarbeiter kam es immer wieder zu Unter- und Überbesetzungen der
Schichten. Außerdem wurden vom Betriebsrat die gesundheitlich belastenden
langen Sieben-Tage-Nachtschichtblöcke beanstandet. Das bestehende Schichtsystem
wurde als nicht optimal erkannt.
Lösung:
Es kam zur Einführung eines flexiblen Sechs-Schichtgruppensystems indem
nur ein Teil der tariflichen Jahresarbeitszeit im Schichtpaln eingeplant
wurde und die noch zu bringende Arbeitszeit durch Einbringschichten erfolgt.
Außerdem wurden gesunde vorwärtsrotierende kurze Wechsel (2 Tage
Frühschicht, 2 Tage Spätschicht, 2 Tage Nachtschicht) in das Schichtsystem
integriert.
Erfolg:
Durch die Einbringschichten ist der Produktionsablauf im Unternehmen fortan
durch eigenes qualifiziertes Personal gewährleistet. Es gibt keine
Mehrarbeitskosten mehr, und das Unternehmen erhält kontinuierliche
Maschinenlaufzeiten durch eine gleichbleibende Mindestschichtbesetzung (keine
Über- und Unterdeckung auf Schicht). Zunächst kam es zu starken,
sehr subjektiven Akzeptanzproblemen der Mitarbeiter bezüglich der kurzen
Wechsel. Nach einem halben Jahr wurde jedoch in einer Mitarbeiterbefragung
von der Mehrheit der betroffenen Mitarbeiter die positiven Auswirkungen
der arbeitsmedizinischen Erkenntnisse bestätigt.
Die Einführung des neuen Schichtsystems war ein voller Erfolg.
Ausgangssituation:
In einem Dienstleistungslabor kam es werktags zu unregelmäßigen,
sehr stark schwankenden Auftragseingängen und somit zu sehr kurzfristigem
Mitarbeiterbedarf. Von der Geschäftsführung gab es die Anweisung,
alle Aufträge innerhalb von zwei Tagen zu bearbeiten, um eine hohe
Kundenzufriedenheit und Kundenbindung zu erreichen. Der Betriebsrat wurde
auf die Unzufriedenheit der Mitarbeiter aufmerksam, die teilweise hohe Mehrarbeitsstunden
hatten und ihre Freizeit nicht mehr richtig gestalten konnten. Es wurde
entschieden, das vorhandene Schichtsystem zu überprüfen.
Lösung:
Der Betriebsrat wurde im Projektteam integriert, und durch eine sehr gute
Unternehmenskommunikation wurde gemeinsam ein optimales Schichtsystem erarbeitet.
Dabei fanden die Unternehmens- und Arbeitnehmerinteressen gleichermaßen
Berücksichtigung. Die Mitarbeiterinteressen wurden durch vorherige
Mitarbeiterfragungen und permanente Kontakte des Betriebsrats zu den Mitarbeitern
aufgenommen. So wurde ein Wechsel-Schichtsystem mit Früh- und Spätschicht
sowie flexiblen Produktionserweiterungsschichten als Absageschichten am
Wochenende eingeführt.
Erfolg:
Durch das neue Schichtsystem ist es dem Unternehmen nun möglich, auf
die nur schwer kalkulierbaren Auftragseingänge schnell zu reagieren.
Die Kundenzufriedenheit ist somit letztlich sichergestellt, wodurch das
Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit stärken und ausbauen konnte.
Tipp: Lesen Sie zum Thema auch den Artikel "Schichtsysteme einführen - Die Vorgehensweise".
Verfasserin: Dipl.-Betriebswirtin (VWA) Petra Strahl
Flextime Consult Arbeitszeitberatung
Podbielskistr. 69, 30177 Hannover
Kontakt: office@flextime-consult.de